Die Marke HiFiMAN ist in Europa noch völlig neu, sorgt jedoch in den USA seit
dem Jahr 2009 für Aufsehen. Dort wurde ein noch sehr prototypisch aussehender
Kopfhörer namens HE-5 vorgestellt und fand sehr schnell eine glühende
Anhängerschaft. Die Kunden mokierten sich zwar über die Verarbeitung, dem
Kopfhörer jedoch attestierten sie hervorragenden Klang. Das Geheimnis dieses
Klangs ist der magnetostatische Treiber, der es schafft, die klanglichen Meriten
von elektrostatischen und dynamischen Kopfhörern zu verbinden.
Das Konzept des magnetostatischen Treibers ist seit Jahrzehnten bekannt. Eine
dünne Folie wird mit einer dünnen elektrisch leitenden Bahn beklebt und in einen
Rahmen eingespannt. Dieser Rahmen wiederum wird in die Mitte zwischen sich
gegenüber liegenden und sich gegenseitig abstoßenden Stabmagneten montiert. Wird
ein Musiksignal auf die Leiterbahn gegeben, schwingt die gesamte Folie innerhalb
des Magnetfeldes vor und zurück und es entsteht der gewünschte Ton.
Optimalerweise sollte das Gewicht der Folie so gering wie möglich und die
Magnetkraft so groß wie möglich sein. Genau an diesem Zielkonflikt scheiterten
viele vorherige Konstruktionen, denn man musste viele schwere Ferritmagnete und
vergleichsweise dicke Folien verwenden. Eine Konstruktion wie die HiFiMAN
Magnetostaten wurde erst durch die Verwendung sehr kräftiger Neodymiummagnete
und zahllosen Versuchen zum richtigen Folientyp möglich. Der leitende Ingenieur
für diese Entwicklung ist tatsächlich ein Herr HE und daher findet man diesen
Namen auch in der Produktbezeichnung wieder.
Aus dem oben erwähnten Modell HE-5 ist inzwischen der HE-5 LE geworden, der
in Verarbeitung und Design einen großen Schritt nach vorne gemacht hat. Er
bildet die goldene Mitte der drei magnetostatischen Modelle und ist geeignet den
Anhänger eines beliebigen anderen Kofphörer-Flaggschiffes in tiefe Depressionen
zu stürzen. Er schafft es Musik in derartig ganzheitlicher Form darzustellen,
dass die Frage nach mehr Raum, mehr Detail oder Bassgewalt plötzlich
kleinkariert erscheint. Dabei baut sich das Klangbild aus der Mitte auf und
alles andere fügt sich homogen ein.
Der kleine Bruder namens HE-4 sieht optisch zwar gleich aus, doch wurde eine
einfachere Magnetkonstruktion verwendet und auch die Transportverpackung ist
weniger edel. Der HE-4 ist ein veritables Einstiegsangebot, bei dem nicht ganz
die Luftigkeit und Bassdynamik des großen Bruders präsentiert werden, der jedoch
in seiner Preisklasse ein musikalisches Sonderangebot darstellt. Wer von den
großen Brüdern nur träumen kann, oder den Kopfhörer nur als Alternative zum
lauten Hören in den Nachtstunden verwenden möchte, der ist hier richtig.
Es gibt mit dem HE-6 auch einen großen Bruder. Dieser verwendet eine extrem
aufwändige Magnetkonstruktion und um die Leiterbahn so dünn wie möglich
herstellen zu können, besteht diese nicht wie bei den kleinen Brüdern aus
Aluminium sondern aus Gold. Das Zuleitungskabel besteht aus verflochtenem,
monokristallinem Kupfer und die Gesamtkonstruktion spielt auf einem Niveau, dass
sonst elektrostatischen Flaggschiffen vorbehalten ist, jedoch ohne deren
Schwächen im Tieftonbereich.
Allen HiFiMAN Modellen gemeinsam ist eine symmetrische Verkabelung, bei der
jeder Treiber zwei eigene Zuleitungskabel hat. Dies führt zu geringerem
Übersprechen zwischen den Kanälen und ist leider bei den meisten Herstellern bis
heute kein Standard. Ein Adapter zum Anschluss an einen 6,3mm Klinkenausgang
liegt selbstverständlich bei. Wie alle Magnetostaten benötigen die HiFiMAN
Kopfhörer einen kräftigen Verstärker. Sie sollten daher auf jeden Fall zum
Probehören einen kräftigen Kopfhörerverstärker nutzen und keineswegs probieren
den Ausgang des CD-Spielers zu missbrauchen. Haben Sie das Gefühl, Sie hörten
nur Mitten und Höhen, jedoch keinen hervorragend konturierten Bass, dann ist der
Verstärker zu schwach.
Eine gute Lösung ist auf jeden Fall der Kopfhörerverstärker EF5 CE. Dieser
verwendet eine Doppeltriodenröhre als Spannungsverstärker und einen sehr
aufwändig gebufferten Operationsverstärker als Leistungsverstärker. Die
Stromversorgung mittels eines Ringkerntrafos wurde in ein zweites Gehäuse
ausgelagert. Die Kombination klingt wie ein Röhrenverstärker mit Nachbrenner und
ist so umschaltbar, dass auch weniger leistungshungrige Kopfhörer hier den
richtigen Partner finden.
Wenn Sie sich bis heute nicht intensiv mit dem Thema Kopfhörer beschäftigt
haben, dann ist jetzt der Zeitpunkt dies zu ändern.
Die HiFiMAN Modelle unterscheiden sich rein äußerlich nur Anhand der
seitlichen Typenbezeichnung. Allein gemeinsam ist elegante Farbgebung, das
Kopfband aus Leder, die Ohrpolster mit Velourbezug und die Grundkonstruktion aus
Aluminium. LOFTSOUND
HIGHLIGHT